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„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ (Mt 18,10) Der Gottesdienst in der Gemeinde

 

Seit fast 2000 Jahren versammeln sich Christinnen und Christen in Gottesdiensten, um Gottes Gegenwart zu spüren, zu feiern und weiterzugeben.

Eine lange Tradition, ein langer Weg bis heute, bis in das Jahr 2014, in dem wir immer noch genau dasselbe tun, jeden Sonntag. Und doch hat sich vieles gewandelt in den Zeiten. Anpassung, Pragmatik und Zeitgeist prägen die Praxis des Gottesdienstes und haben das seit jeher getan. Der „normale“ Gottesdienst hat – aus gutem Grund – viele Elemente bewahrt, jedenfalls in unserer Gemeinde. Einige Gemeinden haben Gottesdienstreformprozesse in Gang gesetzt und ihre Gottesdienstordnung neu verfasst. Gewinn oder Verlust? Die Meinungen gehen bei dieser Frage weit auseinander. Wie der Gottesdienst gefeiert wird und welchen Stellenwert er im Gemeindeleben hat, sagt auch immer etwas über die Gemeinde als Ganze aus. Gerne möchte ich deshalb in den Gottesdienst einführen

Anfangen möchte ich in dieser Ausgabe mit der Frage: Was ist eigentlich ein Gottesdienst und was feiern wir?

Bei der Einweihung der Torgauer Schlosskirche im Jahr 1544 bringt Martin Luther auf eine kurze Formel, was im Gottesdienst passiert: In einem Gottesdienst soll nichts anderes geschehen, als „dass unser lieber Herr mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden in Gebet und Lobgesang“.

Im Gottesdienst geschieht konkrete Gegenwart Gottes. Gott wird ansprechbar, unsere Stimmen finden Gehör. Eine Audienz, sozusagen. Die weihnachtliche Botschaft, dass Gott Mensch wird auf Erden, greifbar und gegenwärtig, wird aktualisiert in jedem Gottesdienst. Gott löst das Versprechen seiner Gegenwart ein. Das heißt, in der gottesdienstlichen Gemeinschaft entsteht ein Gespräch zwischen Gott und Mensch. Es ist keine Einbahnstraße, auf der wir Menschen versuchen, das Ziel – Gott – zu erreichen, sondern Gott kommt uns entgegen in dem, was wir in einem Gottesdienst miteinander tun: Beten, Singen, biblische Texte lesen und verstehen, Gemeinschaft erleben im Abendmahl. Das ist ein Geschenk. Gott ist da und wir sind da – das ist ein wahrer Grund, um zu feiern und unser ganzes Menschsein vor Gott zu bringen.

In jedem Gottesdienst kommt die Gemeinde Gottes zusammen. Und zwar die wenigen stellvertretend für die ganze Gemeinde. Denn: als Gottesdienstgemeinschaft verbinden wir uns mit den Christinnen und Christen der Welt über die Kirchenmauern hinaus. Und die Gemeinde verkörpert nichts weniger als Jesus Christus selbst. Indem wir zusammen Gottesdienst feiern, wird Jesus Christus lebendig unter uns. Denn Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Und im Korintherbrief heißt es: „Ihr seid der Leib Christi. Und jeder von euch ein Glied.“ Wir sind nicht von Christus zu trennen und in ihm sind wir als viele Glieder des einen Leibes auch nicht zu trennen. Im Gottesdienst wird das besonders greifbar und spürbar, wenn wir Abendmahl feiern und als Gemeinschaft Brot und Kelch teilen.

Wenn wir also sonntags Gottesdienst feiern, aktualisiert sich die Gemeinschaft der Glaubenden und wird ganz konkret erfahrbar. So soll es sein!

Insofern ist die Zeit des Gottesdienstes eine besondere Zeit im Alltag. Im günstigen Fall ist diese Zeit Kraftquelle und macht uns zu Kraftquellen für die, die unsere Nächsten sind.

Doch ist der Gottesdienst nicht beschränkt auf die eine Stunde am Sonntag. Wenn wir hinausgehen aus dem Gottesdienst in die Welt mit dem Segen Gottes im Gepäck und den Dienst, den Gott an uns getan hat, weitertragen in die normale Zeit des Alltags, bekommt der Begriff „Gottesdienst“ eine große Weite. Das bedeutet nämlich, dass der Gottesdienst immer geschieht, wenn wir im Alltag im Glauben leben, ihn laut oder leise bekennen und dem Geist Gottes Raum geben in der Welt. Um dann – am folgenden Sonntag – die Welt mitzunehmen in den Gottesdienst, um erneut ins Gespräch zu kommen mit Gott.