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Ein Faltblatt zur Ansicht gibt es hier.

St. Johannis zu Adelby -

der Kirchenbau und die Baugeschichte

Auf einem kleinen Hügel gelegen, ist die St. Johanniskirche zu Adelby weithin sichtbar. Keine anderen Bauten versperren die Sicht, allenfalls einige Bäume an den Straßenrändern. Wer sie zum ersten Mal sieht, gewinnt den Eindruck einer kleinen, anheimelnden Dorfkirche wie aus einem Guss, die die Jahrhunderte ohne große Veränderungen überstanden hat. Mit den weißgetünchten Mauern, den Bogenfenstern, den roten Dachziegeln und dem massiven Turm mit dem grünleuchtenden Kupferdach und dem goldenen Wetterhahn strahlt sie eine freundliche Ruhe, Helligkeit und Beständigkeit aus. Die Lage inmitten des Friedhofs und das passende Ensemble mit den Friedhofstoren und dem reetgedeckten Pastorat vervollständigen den idyllischen Eindruck, der sicher zu ihrer Beliebtheit bei Besuchern, Gemeindemitgliedern und Nut

Die Kirche Adelby

zern auch aus anderen Gemeinden beiträgt. Wie und wann ist dieser Bau entstanden?

Deutlich sichtbar sind die rundlichen, unbehauenen Feldsteine, die die Grundmauern bilden und die ursprünglichen Maße des Bauwerks anzeigen. Ursprünglich war die Kirche viel kleiner und hatte einen frei stehenden hölzernen Glockenturm wie z.B. die Kirche in Kleinsolt/Freienwill. In Angeln gehört sie zu den ältesten Kirchen, sie wurde um 1200 in spätromanischem Stil  in ländlicher Umgebung am Rande einer sich entwickelnden Stadt aus Feldsteinen erbaut. Sie ist älter als die gegenwärtigen Stadtkirchen Flensburgs, aber jünger als etwa die Kirchen in Husby, Munkbrarup oder Sörup. Die gleichnamige Johanniskirche im Johannisviertel am Ende der Förde wurde als Filialkirche - einer Tochterkirche ohne eigenen Priester - nach dem Vorbild der Adelbyer Kirche erbaut.   Das alte Kirchspiel Adelby umfasste ursprünglich die Orte Adelby, Adelbylund, Tastrup, Engelsby, Tarup, Fruerlund, Twedt, Trögelsby, Sünderup, Jürgensby und Mürwik. Durch das Bevölkerungswachstum vor allem im 18. Jahrhundert wurde die Kirche zu klein für die Gemeinde. 1726 wurde der hölzerne Glockenturm abgerissen und durch einen viereckigen Turm aus behauenen Quadersteinen ersetzt. Die Wände des Kirchenschiffs wurden bis an den Turm herangezogen und noch ein Stück darüberhinaus, damit konnte er in das Kirchenschiff integriert werden. Mit Ziegelsteinen wurde die Kirche erhöht und nach Osten verlängert, so dass 1780 eine Saalkirche entstand. Die Bauleitung hatte der Flensburger Maurermeister Walter. Diese großen Umbauten waren sehr kostspielig und konnten nur durch den gestiegenen Wohlstand der Bürger finanziert werden.  An der Art der verbauten Steine, die die Kirchengemeinde mit der Erlaubnis des Königs der Stadt Flensburg abgekauft hatte und die vom Abbruch des Flensburger Stadtturms stammen, sind die Anbauten von außen deutlich zu erkennen - dort lösen die glatten, behauenen Quader die Feldsteine ab.

Zu Ehren des dänischen Königs Christian VII. als damaligem Patron der Kirche wurde 1775 eine  Sandsteintafel an der Westseite des Turmes mit dem königlichen goldenen Monogramm und  goldener Inschrift auf blauem Grund "Soli Deo Gloria" -  Allein zur Ehre Gottes – angebracht. Im Turm hängen zwei Glocken, die eine läutet seit dem 14. Jahrhundert, die andere ist ein Neuguß und ersetzt eine Glocke aus dem Jahre 1678, die im 1.Weltkrieg 1917 abgegeben werden mußte.

Der barocke Turm mit dem Kupferdach entstand 1785, er wird von einem Wetterhahn gekrönt. Die zwei Sandsteintafeln mit Jacobsmuschelornamenten, den Pilgersymbolen, an der Ostseite stammen von der abgerissenen Kreuzkapelle an der Kappelner Straße (siehe auch Kirchenbote 1/2012). An der Nordseite befinden sich die Eingänge in die Kirche. Durch die "Priestertür" auf der Höhe des Altars hatten und haben die Pastoren direkt und schnell vom Pastorat Zutritt zur Kirche.

Der heutige Haupteingang geht durch das  "Frauenhaus", ein im 15./16. Jahrhundert angebautes Vorhaus mit Stufengiebel. Dort konnten die Wöchnerinnen dem  Gottesdienst zuhören, denn nach der Geburt eines Kindes war es ihnen traditionell sechs Wochen verwehrt, den Kirchraum zu betreten. Dieser Raum diente aber auch als Empfangsraum, hier mußten mitgeführte Waffen abgelegt werden. Beide Eingänge zieren Löwenköpfe als Scheitelsteine. Über dem Eingang hängt eine kleine "Bußglocke" von 1636, mit der die Gläubigen zur Buße gerufen wurden.

Die Kirchenfenster spiegeln die Baustile und Veränderungen wider. Die kleinen romanischen Rundbogenfenster, eins an der Nordseite und drei an der Südfassade stammen aus der Erbauerzeit, die großen auf der Südseite aus der Barockzeit. War die Kirche in alter Zeit eher innen dunkel und mysteriös, wirkt sie seit der Ausbauzeit hell und freundlich, die großen Fenster mit den hellen Glasscheiben lassen die Sonnenstrahlen ungehindert nach innen dringen - bis zur hölzernen Johannisfigur, zum Altar, der Kanzel und auf die Köpfe der Gottesdienstbesucher, sie beleuchten das  große hängende Christuskreuz und die kleinen Emporenbilder. Innen- wie Außenwände sind weiß gekalkt und reflektieren das Licht.

Umfassende Umbauten und Renovierungen gab es 1931 und vor allem 1964/65 unter der Leitung von Pastor Vollstedt und dem Architekten Jäger aus Hamburg sowie dem Restaurator Fry-Teichmühlen aus Ahrensbök. Die Ostempore mit der Orgel im Altarraum wurde abgebrochen und auf die Westseite versetzt. Der Innenraum erhielt ein ganz neues Gesicht: die farbige Holzbalkendecke des Kirchenschiffs führt nun über dem Chor abgetreppt durch die gesamte Kirche. Sie schließt das Kirchenschiff nach oben ab und lenkt den Blick auf die Inschrift „Siehe das ist Gottes Lamm" (Spruch von Johannes dem Täufer) und das frei schwebende Kreuz mit dem lebensgroßen Kruzifix.



 

Glockengeläut

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Aufnahme: Sebastian Schritt, Trier, 30.5.2010